Sven Korndörffer

warum sich

werte auszahlen 

Sven Korndörffer im GESPRÄCH

MAN MUSS SICH JEDEN TAG BEIM BLICK IN DEN SPIEGEL FRAGEN, OB MAN SEINE WERTE NOCH LEBT

Beim Thema Werte macht ihm keiner was vor: Sven Korndörffer ist Vorsitzender des Vorstands der Wertekommission in Deutschland und Juror für den Corporate Culture Award. Im Gespräch enthüllt er, mit welchen Werten man die jungen Fachkräfte von heute gewinnt.

Herr Korndörffer, wofür steht die Wertekommission?

Wir wollen Bewusstsein schaffen, dass es sich lohnt, Werte in der Wirtschaft zu leben. Dafür gehen wir in den Exkurs mit Vertretern aus der Wirtschaft, Politik, Medien und Kultur, und veranstalten Diskussionsforen zu aktuellen Themenstellungen. Darüber hinaus führen wir seit 2007 jedes Jahr eine Führungskräftebefragung durch, die den Wertepuls und somit das Wertebewusstsein deutscher Manager aufzeigt.

Was hat Sie dazu bewogen, sich für Werte zu engagieren?

Als wir in den 2000er Jahren die Wertekommission gegründet haben, war besonders die fehlende Verantwortungsübernahme und Wertschätzung von Arbeitgebern gegenüber ihren Mitarbeitern Auslöser. Damals scheiterten viele Unternehmen im Zuge der New-economy-Krise und ließen ihre Angestellten einfach im Regen stehen. Die Krise zeigte nicht nur, dass vermeintlich gesicherte wirtschaftswissenschaftliche Erkenntnisse hinfällig sind – sondern auch, dass es einen eklatanten Mangel an Werteorientierung in der Wirtschaft gibt. Aber natürlich spielen auch persönliche Erfahrungen mit hinein: Ich selbst hatte das Glück für Vorgesetzte mit starken Wertemaßstäben arbeiten zu dürfen. Sie haben mir im besonderen Maße Vertrauen entgegengebracht; und das hat mich sehr beflügelt. Sowas gibt einem eine unglaubliche Energie und Freude, sich für ein Unternehmen zu engagieren.

Werte machen das Arbeiten sicher angenehmer – aber sind sie auch wirtschaftlicher?

Natürlich! Weil man nur erfolgreich sein kann, wenn man werteorientiert arbeitet – ob allein oder im Team. Genau das ist bei vielen in der Wirtschaft noch nicht angekommen: Werteorientiertes Handeln hat nichts damit zu tun, dass sich alle in den Armen liegen, sondern ist auf lange Sicht ökonomisch effizient. Denken Sie allein an die Mitarbeiterbindung. Wenn die Werte und somit die Kultur in einem Unternehmen stimmt, dann werden die Mitarbeiter lieber für dieses arbeiten, besser in ihrem Job sein und länger bei dem gleichen Arbeitgeber bleiben. Anders herum werden Sie mit einer schlechten Unternehmenskultur eben eine höhere Mitarbeiterfluktuation haben, und damit auch höhere Transaktionskosten, weil natürlich immer wieder neue Leute gefunden und eingearbeitet werden müssen.

Und welche Werte sind besonders entscheidend für eine gute Unternehmenskultur?

Glaubwürdigkeit und Vertrauen; und zwar allen Anspruchsgruppen gegenüber. Diese Werte müssen täglich im Unternehmen gelebt werden. Organisationen sind nicht per se Werteorientiert. Alle Wertemanagementsysteme sind hinfällig, wenn diese Werte nicht für alle Mitarbeiter spürbar sind.

Wie trägt man aber diese Werte ins Unternehmen?

Das ist ganz klar Aufgabe der Führungskraft. Als Manager muss ich diese Werte vorleben und meinen Mitarbeitern Wertschätzung und Vertrauen entgegen bringen. Das heißt, ich muss Menschen den Gestaltungsfreiraum geben, ihre Stärken zu erproben und auszuspielen. Gleichzeitig geht es um Austausch auf Augenhöhe mit allen Mitgliedern des Teams. Dazu gehört klares Feedback ebenso, wie auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter zu hören und darauf zu reagieren. Die weichen Faktoren sind entscheidend für werteorientiertes Führen. Wer das nicht versteht, hat in der Führungsebene nichts verloren. Eine Führungskraft muss sich deshalb jeden Tag vor den Spiegel stellen und fragen, ob sie diese Werte noch lebt.

Müssten aber die Werte sich nicht auch fast täglich ändern? Die Wirtschaft ist schließlich sehr schnelllebig geworden. Unternehmen stehen doch vor immer neuen Herausforderungen; allein, wenn man an den Fachkräftemangel denkt. 

Mag sein; die Werte sind aber immer noch die gleichen. Das zeigt auch unsere Studie der Führungskräftebefragung 2017. Auch für junge Leute sind nach wie vor Vertrauen und Glaubwürdigkeit ausschlaggebend bei der Wahl des Arbeitgebers. Sie richten ihr Tun sogar noch stärker als die vorherigen Generationen an den Werten des Unternehmens aus. Verwirklicht finden die Nachwuchskräfte diese Werte allerdings in innovativen Angeboten, wie neuen Arbeitszeitmodellen oder Weiterbildungsmöglichkeiten. Bei der Mitarbeitergewinnung und -bindung sind also gelebte Werte noch entscheidender als zuvor.

Wer macht es zum Beispiel schon richtig?

Da fällt mir Chris Bartz, ein – CEO von Elinvar, einer digitalen Plattform für Vermögensverwalter. Er hat erkannt, dass es bei Unternehmensführung nicht um Technik geht, sondern darum, Menschen zu verstehen und sie ihre Potenziale bestmöglich nutzen zu lassen. Mit Mitarbeitern aus siebzehn verschiedenen Nationen ist das Unternehmen sehr heterogen aufgestellt, und macht genau das zu seiner Kernstärke. Alle lernen voneinander, geben sich neue Impulse und profitieren von dem geteilten Wissen. Und der Erfolg gibt Elinvar Recht: Kürzlich wurde das Unternehmen für den Award „FinTech des Jahres“ nominiert, einem Award für deutsche Startups. Das junge Unternehmen ist also der beste Beleg dafür, dass gute Werte wirtschaftlich sind – viele etablierte Unternehmen können und sollten sich davon eine dicke Scheibe abschneiden.

 

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Sven Korndörffer im Gespräch (PDF, 800 KB)

Interview Sven Korndörffer